Kompressionstherapie Prävention statt „offenes Bein“

Frauen, Hitze und warum Wassereinlagerungen ein unterschätzter Risikofaktor sind

Die Kompressionstherapie besitzt ein enormes präventives Potenzial. Insbesondere Frauen sind häufig von krankhaften Wassereinlagerungen betroffen und tragen dadurch ein erhöhtes Risiko, chronische und schwer heilende Wunden an den Beinen zu entwickeln.  

Zwei der größten Treiber dieser Entwicklung sind das steigende Lebensalter und zunehmende Hitzeperioden – zwei gesellschaftliche Entwicklungen, die sich weder aufhalten noch kurzfristig verändern lassen. 

Die gute Nachricht ist: Moderne Kompressionstherapien ermöglichen heute eine wirksame Behandlung, die von Betroffenen selbst oder mit Unterstützung von Angehörigen einfach durchgeführt werden können.

Die alarmierende Nachricht lautet jedoch: Nur etwa zwei von zehn Menschen mit einem Beinulkus erhalten überhaupt eine leitliniengerechte Kompressionstherapie. Damit bleibt eine der wirksamsten Maßnahmen zur Heilung und zur Vermeidung weiterer Komplikationen in Deutschland vielfach ungenutzt. 

Gerade in den Sommermonaten beobachten viele Menschen geschwollene Beine, Füße und Knöchel. Bei Hitze erweitern sich die Blutgefäße, um überschüssige Wärme abzugeben. Dadurch sinkt der venöse Rückfluss, und Flüssigkeit tritt vermehrt aus den Gefäßen in das umliegende Gewebe über. Frauen sind aufgrund hormoneller Einflüsse häufiger betroffen: Östrogene und andere Hormone können die Gefäßdurchlässigkeit erhöhen und so die Entstehung von Ödem begünstigen. 

Kann diese Flüssigkeit nicht ausreichend über das venöse und lymphatische System abtransportiert werden, entsteht ein krankhaftes Ungleichgewicht im Gewebe. Betroffene berichten häufig über Spannungsgefühle, Druckschmerzen und sichtbare Dellen. Gleichzeitig steigt der Gewebedruck, wodurch die Versorgung der Haut mit Sauerstoff und Nährstoffen beeinträchtigt wird. Die Haut verliert ihre natürliche Schutzfunktion, wird verletzlich und heilt deutlich schlechter. Schon kleinste Verletzungen können sich zu chronischen Wunden entwickeln. 

Der Klimawandel verschärft diese Entwicklung zusätzlich. Deutschland erlebt immer häufiger längere Hitzeperioden mit hohen Temperaturen. Für Millionen Menschen mit chronischen Venenerkrankungen, Lymphödemen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeutet dies eine erhebliche zusätzliche Belastung. Die Zahl der Menschen mit Schwellungen der unteren Extremitäten wird in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen. Damit wächst auch das Risiko chronischer Wunden – mit erheblichen Folgen für Lebensqualität, Pflegebedürftigkeit und Gesundheitskosten. 

Genau hier zeigen moderne Kompressionssysteme (z.B. die Kombination aus Kurz- und Langzugbinden) ihre Vorteile. Heute stehen ein- sowie mehrlagige, anwenderfreundliche Versorgungssysteme zur Verfügung, die einen therapeutisch wirksamen Druck reproduzierbar ermöglichen und gleichzeitig einfacher anzulegen sind als klassische Wickelverbände. Einige dieser Systeme verfügen über integrierte Orientierungshilfen, die den korrekten Anlagedruck erleichtern und dadurch sowohl medizinisches Fachpersonal als auch pflegende Angehörige und die Betroffenen selbst unterstützen können. Versorgungskonzepte, die eine sichere Eigenanwendung ermöglichen oder Angehörige stärker einbinden, können deshalb einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung der Versorgung leisten. 

Hinzu kommt, dass viele Patientinnen und Patienten die klassischen Verbände im Alltag als störend empfinden und sie deshalb nicht konsequent tragen. Moderne Materialien sind dünner, atmungsaktiver und alltagstauglicher als frühere Versorgungslösungen. Vor allem die Möglichkeit, die eigenen Schuhe tragen zu können, ist für viele Patientinnen ein entscheidender Unterschied. Dadurch verbessert sich häufig die Therapietreue der Patientinnen und Patienten. Denn die beste Therapie entfaltet ihre Wirkung nur dann, wenn sie tatsächlich konsequent angewendet wird.  

Vor dem Hintergrund zunehmender Hitzeereignisse sollte die Kompressionstherapie daher nicht ausschließlich als Behandlung einer bestehenden Erkrankung verstanden werden. Sie ist vielmehr ein wichtiger Bestandteil der Klimaanpassung im Gesundheitswesen. Hitzeaktionspläne sollten deshalb Menschen mit chronischen Venenerkrankungen und Ödemen ausdrücklich berücksichtigen und auf die Bedeutung frühzeitiger Diagnostik sowie leitliniengerechter Kompression hinweisen.

 

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