Dr. rer. nat. Patricia Wilken, Medical Manager
Du bist seit über zwei Jahrzehnten Teil von URGO. Erinnerst du dich noch an deine Anfänge?
Patricia: Ja, sehr gut sogar. Ich startete als Produktmanagerin im Marketing und betreute später die hydroaktive Wundversorgung – für mich als Uni-Absolventin und nach meinem ersten Job in der präklinischen Forschung von Medizinprodukten für die Gefäßchirurgie völliges Neuland. Statt Forschung und Entwicklung war ich plötzlich ganz nah am Markt. Diese Mischung aus innovativen Produkten und ihrem direkten Nutzen in der Versorgung hat mich sofort begeistert. Besonders prägend war die Dynamik: Jedes Jahr kamen mindestens zwei neue Wundverbände auf den Markt, basierend auf der TLC-Technologie. Von Beginn an konnte ich eng mit Kolleg:innen aus Entwicklung, Produktion, Marketing und Medical zusammenarbeiten und enorm viel lernen.
URGO feiert 25-jähriges Bestehen – was bedeutet das für dich?
Patricia: 25 Jahre stehen für Expertise, Innovationskraft und Kontinuität. Nahezu alle unsere Produkte entstehen aus eigener Forschung und Entwicklung, in engem Austausch mit medizinischen Fachkreisen. Wir haben den langen Atem, Innovationen von der Idee bis zur Marktreife zu begleiten, und legen großen Wert auf klinische Evidenz. Gleichzeitig ist URGO trotz internationalem Wachstum ein Familienunternehmen geblieben – menschlich, persönlich und geprägt von Teamgeist.
URGO arbeitet international und gleichzeitig sehr nah am deutschen Markt. Wie erlebst du diese Zusammenarbeit?
Patricia: Für mich war es immer besonders, beides zu verbinden: den intensiven Austausch mit unseren globalen Kolleg:innen – von Entwicklung über Produktion bis hin zu Medical – und gleichzeitig die Möglichkeit, in Deutschland eigene Schwerpunkte zu setzen. Wir konnten Ideen schnell umsetzen, direkt sehen, was funktioniert, und hatten so immer unmittelbares Feedback aus dem Markt. Diese Kombination aus internationaler Vernetzung und lokaler Nähe macht URGO für mich einzigartig.
"Nahezu alle unsere Produkte entstehen aus eigener Forschung und Entwicklung, in engem Austausch mit medizinischen Fachkreisen. Wir haben den langen Atem, Innovationen von der Idee bis zur Marktreife zu begleiten, und legen großen Wert auf klinische Evidenz."
Dr. Patricia Wilkens
Was reizt dich an deiner Arbeit bei URGO?
Patricia: Sie ist extrem vielfältig und wird nie langweilig. Es gibt immer wieder neue Themen, unvorhergesehene Situationen und Marktveränderungen, auf die wir schnell reagieren müssen. Reizvoll ist vor allem die große Bandbreite – von akuten bis chronischen Wunden, von häufigen Indikationen wie Ulcus cruris oder diabetischem Fußulkus bis hin zu seltenen Hauterkrankungen, wie zum Beispiel Epidermolysis bullosa (EB). Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit mit anderen Bereichen und die Möglichkeit, einen Bedarf zu erkennen und Ideen gemeinsam weiterzuentwickeln. Genau diese Mischung macht meinen Arbeitsalltag so spannend.
Gab es Momente oder Projekte, die dich besonders bewegt haben?
Patricia: Sehr eindrucksvoll war eine Veranstaltung zur EXPLORER-Studie zu UrgoStart Tül in unserer Firmenzentrale in Dijon, bei der Expert:innen aus vielen Ländern zusammenkamen und die mir gezeigt hat, wie stark die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit sein kann. Wir diskutierten die Studiendaten und konnten gleichzeitig einen Blick hinter die Kulissen unserer Produktion werfen. Diese Mischung aus Forschung, Innovation und gelebter Zusammenarbeit war für mich einzigartig und sie wurde auch von den Teilnehmenden als etwas Besonderes wahrgenommen.
Tief bewegt hat mich außerdem die Geschichte einer EB-Patientin aus Brasilien. Als URGO Medical vor über 20 Jahren eine klinische Studie mit UrgoTül zu dieser Indikation durchführte, gab es dort noch kein UrgoTül. Unser Kollege machte sich trotzdem auf den Weg, suchte betroffene Familien auch in abgelegenen Regionen auf – teils sogar per Boot über den Amazonas. Jahre später berichtete die inzwischen erwachsene Patientin auf einer Veranstaltung in Dijon, Frankreich, wie sehr UrgoTül ihr Leben erleichtert hat. Solche Momente zeigen mir sehr konkret, warum wir das tun: weil sich damit das Leben von Menschen spürbar verbessert.
URGO hat in den vergangenen Jahren auch Projekte wie den Fußpass oder den TILI-Score begleitet. Welche Bedeutung haben solche Initiativen?
Patricia: Mir zeigen sie, wie wichtig es ist, gemeinsam mit Expert:innen praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Der Fußpass wurde ins Leben gerufen, um Risiken für ein Diabetisches Fußulkus bei Patient:innen mit Diabetes frühzeitig zu erkennen, damit eine adäquate Diagnostik und Therapie eingeleitet werden kann und so das Risiko einer Amputation reduziert werden kann. Ärzt:innen erhalten damit ein einfaches Instrument, um rechtzeitig reagieren zu können. Der TILI-Score wiederum entstand aus dem Bedarf nach einem einfachen Tool zur frühen Erkennung lokaler Wundinfektionen anhand klinischer Infektionszeichen. Beide Projekte wurden in Zusammenarbeit mit Expert:innen entwickelt und mit Unterstützung von Fachgesellschaften kommuniziert. Entscheidend ist, die richtigen Menschen zusammenzubringen und solche Initiativen zu fördern, damit auch die Struktur der Versorgung der Patient:innen nachhaltig verbessert wird.
Was wünschst du dir für die Zukunft von URGO?
Patricia: Ich wünsche mir, dass URGO den offenen Geist und die Innovationskraft bewahrt, die uns heute auszeichnen. Dass wir weiterhin nah am Markt und an den Bedürfnissen von Patient:innen und Anwender:innen bleiben und unsere Expertise in den Teams bündeln, um gemeinsam Antworten auf die komplexen Herausforderungen in der medizinischen und pflegerischen Versorgung der Patient:innen und insbesondere der Wundversorgung zu finden.
Zum Interview von Nadine Domke
Zum 25-jährigen Jubiläum von URGO erzählt Nadine Domke von Momenten, die ihre Arbeit besonders bewegen: etwa ein Patient, dessen seit zehn Jahren bestehende chronische Ulcera dank UrgoStart Plus erstmals heilten. Sie berichtet, wie Kund:innen auf Messen vor Begeisterung reagieren, wenn sie innovative Produkte testen, und warum die Arbeit mit Menschen – intern wie extern – für sie das Herzstück ihres Jobs ist. Einblicke, die zeigen, wie kontinuierliche Innovation und echte Partnerschaft im Alltag Patient:innen spürbar helfen.
