Jubiläumsinterview mit Marianne Hintner

Marianne Hintner, Leiterin des Wundzentrums Wound Care Connection Tirol

Marianne_Hintner
Sie sind Leiterin des Wundzentrums Wound Care Connection Tirol. Wie sind Sie dazu gekommen, sich speziell auf das Thema Wundmanagement zu spezialisieren?

Marianne Hintner: Das geht tatsächlich auf eine Schlüsselerfahrung vor über 30 Jahren zurück. Als junge Fachkraft im Krankenhaus Tegernsee bemerkte mein Chefarzt in der Chirurgie mein besonderes Gespür für Wundbehandlungen. Er sagte damals zu mir: „Du hast ein Talent für Wunden, ich zeige dir, wie man nekrotisches Gewebe entfernt.“ So wurde mein Interesse für diesen Bereich geweckt. Kurz darauf kamen die ersten Hydrokolloidverbände auf den Markt – die ersten modernen Wundversorgungsprodukte. Unser Team probierte viel aus, und ich merkte schnell: Das ist mein Thema.

Wie hat sich die Wundversorgung seitdem verändert?

Marianne Hintner: Extrem! Zu Beginn meiner Laufbahn gab es kaum moderne Verbandstoffe. Bei Brandverletzungen behandelten wir Patient:innen sogar komplett ohne Verbände – einfach offen! Das erscheint heute unvorstellbar. Inzwischen haben wir eine große Auswahl an Produkten. Eine sehr prägende Phase war meine Zeit auf einer Intensivstation in den späten 1990er Jahren. Dort arbeiteten wir vorwiegend mit Unterdrucktherapie bei schweren Brandverletzungen und großen Wundheilungsstörungen. Chronische Wunden sahen wir dort selten, aber umso mehr komplexe Fälle mit tiefen Gewebedefekten. Der große Vorteil für meine Generation: Wir sind mit den Innovationen mitgewachsen. Jedes neue Produkt konnten wir systematisch kennenlernen: von den ersten Hydrokolloidverbänden bis zu modernen Lösungen wie UrgoTül. Die Einführung von UrgoTül war ein absoluter Meilenstein. Früher klebten Verbände oft an der Wunde, der Wechsel war qualvoll. Mit Produkten wie UrgoTül wurde er schmerzfrei, ein riesiger Fortschritt für Patient:innen und Pflegekräfte.

Was macht UrgoTül aus Ihrer Sicht besonders?

Marianne Hintner: Ich habe mit UrgoTül sehr positive Erfahrungen gemacht. Das Produkt ist gut verträglich, löst kaum allergische Reaktionen aus und trägt zur Schmerzlinderung bei. Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal von URGO ist die TLC-Wundheilungsmatrix®, diese Technologie gibt es nur bei URGO. Ich setze UrgoTül gezielt ein, etwa bei schmerzempfindlichen Patient:innen, bei Wunden, die länger ruhiggestellt werden sollen, oder wenn der Wundheilungsprozess stagniert.

Was verbinden Sie persönlich mit URGO?

Marianne Hintner: Mit URGO verbinde ich in erster Linie fundierte Forschung und evidenzbasierte Studien. Besonders beeindruckend ist die innovative TLC-Technologie und Produkte wie UrgoStart, UrgoTül oder das Kompressionssystem UrgoK1. Darüber hinaus denke ich sofort an die sehr kompetenten und ausgesprochen freundlichen Menschen, die dort arbeiten. Man fühlt sich mit allen Anliegen jederzeit bestens aufgehoben und erlebt eine offene, herzliche Atmosphäre, das hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

"Für mich ist URGO ein herausragendes Unternehmen, das sich nicht nur in der Forschung engagiert, sondern auch viel für die Nachwuchsförderung leistet. Dieses Engagement ist spürbar, etwa bei Produkttestungen, bei denen offenes, ehrliches Feedback ausdrücklich erwünscht ist, oder bei Fortbildungsangeboten, die fachlich fundiert und unabhängig gestaltet sind."

Was ist Ihnen persönlich in der Wundversorgung am wichtigsten?

Marianne Hintner: Für mich steht die individuelle Versorgung im Vordergrund, starre Standards nach Schema F lehne ich ab. Kein Mensch und keine Wunde sind gleich, deshalb ist eine angepasste, situationsgerechte Herangehensweise unerlässlich. Mir ist es wichtig, den Menschen hinter der Wunde zu sehen. Im Mittelpunkt steht dabei stets die Lebensqualität der Patient:innen, wie sie verbessert werden kann, ist sehr subjektiv und lässt sich nur im persönlichen Gespräch ermitteln.

Haben Sie eine besondere Patientengeschichte, die Sie teilen möchten?

Marianne Hintner: Es gibt viele besondere Fälle, aber ein Patient ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ein Mann, der lange Zeit drogenabhängig war und auf der Straße gelebt hatte, hatte es geschafft, sich über ein Substitutionsprogramm langsam wieder zu stabilisieren. Eines Tages wurde er bewusstlos und lag vier Tage hilflos in seiner Wohnung, bis er gefunden wurde. Er hatte schwere Druckulzera, die im Krankenhaus kaum versorgt wurden. Seine Hausärztin holte uns hinzu. Obwohl der Patient weder Geld noch soziale Absicherung hatte, war für uns klar: Wir helfen. Wir sammelten Spendengelder, bekamen Material von Herstellern und konnten so eine adäquate Versorgung ermöglichen. Heute sind die Wunden nahezu vollständig abgeheilt und er ist unglaublich dankbar. Solche Schicksale berühren mich besonders, Menschen, die durchs Raster fallen, aber genauso ein Recht auf Versorgung haben. Ohne engagierte Ärzt:innen und Netzwerke hätten sie kaum eine Chance. Gerade für diese Patient:innen engagiere ich mich mit ganzem Herzen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Wundversorgung?

Marianne Hintner: Ich wünsche mir, dass weiterhin ausreichend Mittel für Forschung zur Verfügung stehen. Besonders spannend finde ich derzeit das Thema pH-Wert in der Wundbehandlung. Ich würde mir Verbände wünschen, die dabei helfen, den pH-Wert besser zu bestimmen oder sogar gezielt zu beeinflussen. Es ist bekannt, dass der pH-Wert eine wichtige Rolle im Wundheilungsprozess spielt – erste Materialien in diesem Bereich gibt es bereits, aber das Wissen dazu ist noch lückenhaft. Ideal wäre ein Verband, bei dem man sagen kann: Wenn ich ihn anwende, bewegt sich der pH-Wert zuverlässig in den neutralen Bereich. Und generell wünsche ich mir, dass der Markt weiterhin so innovativ bleibt wie bisher.

Haben Sie eine besondere Botschaft an URGO?

Marianne Hintner: Für mich ist URGO ein herausragendes Unternehmen, das sich nicht nur in der Forschung engagiert, sondern auch viel für die Nachwuchsförderung leistet. Dieses Engagement ist spürbar, etwa bei Produkttestungen, bei denen offenes, ehrliches Feedback ausdrücklich erwünscht ist, oder bei Fortbildungsangeboten, die fachlich fundiert und unabhängig gestaltet sind. Ich selbst halte regelmäßig Webinare für URGO und schätze es sehr, dass ich dabei völlig frei in der inhaltlichen Gestaltung bin, das ist keineswegs selbstverständlich. Besonders hervorzuheben ist der respektvolle, konstruktive Austausch, der die Zusammenarbeit so angenehm und professionell macht. Ich wünsche URGO zum Jubiläum, dass das Unternehmen seinem Kurs treu bleibt mit derselben Vision, dem klaren Fokus und dem Engagement für eine bessere Wundversorgung.

Zum Interview von Christine Vogler

Was braucht moderne Wundversorgung heute und in Zukunft? Zum 25-jährigen Jubiläum von URGO GmbH spricht Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, über den Wandel der Pflege, die wachsende Bedeutung pflegerischer Expertise und neue Wege in der Wundversorgung. Ein kompaktes, meinungsstarkes Interview, das aktuelle Herausforderungen aufgreift und neugierig macht auf frische Perspektiven aus Pflege, Politik und Praxis.