Jubiläumsinterview mit Hauke Cornelsen

Hauke Cornelsen, Physio- und Lymphdrainagetherapeut sowie Wundtherapeut mit eigener Praxis in Hamburg

Hauke_Cornelsen
Sie sind ursprünglich Physiotherapeut – wie kamen Sie zur Wundversorgung?

Hauke Cornelsen: Ganz ehrlich? Über Umwege. Die klassische Physiotherapie hat mich nicht erfüllt, ich wollte mehr bewirken. Dann habe ich die Lymphologie entdeckt, ein Bereich, der mich sofort fasziniert hat. Bei Prof. Dr. Michael Földi in der Fachklinik für Lymphologie in Hinterzarten habe ich schließlich die fachliche Grundlage gelegt und mich auf diesen Schwerpunkt spezialisiert. Irgendwann wurde ich eingeladen, bei einer Fortbildung für Wundassistent:innen den lymphologischen Part zu übernehmen – das war mein erster intensiver Kontakt zur Wundversorgung. Ich wusste kaum mehr als „Pflaster drauf – fertig“. Aber als ich begriffen habe, welche Rolle Ödeme bei gestörter Wundheilung spielen, war ich gepackt. Ich habe mich weitergebildet, die Ausbildung zum Wundassistenten absolviert, dann zum Wundtherapeuten und schließlich ein eigenes, aufeinander abgestimmtes Therapiekonzept entwickelt.

Was genau zeichnet Ihr Konzept aus?

Hauke Cornelsen: Wir sehen die Wunde nicht isoliert: wir betrachten den ganzen Menschen. Jede Behandlung dauert bei uns rund 60 bis 80 Minuten. Der Ablauf ist strukturiert und aufeinander abgestimmt: Reinigung, Inspektion, Nassphase, Lymphdrainage, gegebenenfalls Laser- oder Kaltplasmatherapie, lokale Wundversorgung und Kompression. Danach führen wir mit den Patient:innen gezielte Bewegungsübungen durch, die die Muskelpumpe aktivieren. Gerade bei Menschen mit chronischen Wunden, die oft lange immobil waren, ist das ein wichtiger Baustein. Keine Patientin und kein Patient verlässt unsere Praxis, ohne sich bewegt zu haben, das ist für uns essenziell. Wir greifen die Wunde also von innen und außen an. Das Exsudatmanagement ist dabei genauso wichtig wie die Verbesserung des venösen oder lymphatischen Rückflusses. Insgesamt führt dieses Vorgehen zu sehr guten Heilungsverläufen und zu viel Motivation bei den Patient:innen. 

Was motiviert Sie persönlich in Ihrer täglichen Arbeit?

Hauke Cornelsen: Es sind die Menschen, die zu uns kommen – oft mit langer Leidensgeschichte, vielen gescheiterten Behandlungen und der leisen Hoffnung, dass diesmal etwas anders ist. Dieses Vertrauen, das uns von Anfang an entgegengebracht wird, verpflichtet. Und wenn wir dann gemeinsam Fortschritte sehen – weniger Schmerzen, mehr Mobilität, ein Stück Lebensqualität zurück – dann ist das jede Mühe wert. Was mich besonders berührt: Wenn jemand, der anfangs mit dem Krankentransport gebracht wird, später wieder selbst aufs Gehband steigen kann. Oder wenn die Menschen uns erzählen, dass sie nach Monaten zum ersten Mal wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen konnten. Genau darum geht es am Ende: nicht nur um die Wunde, sondern um das Leben dahinter.

"Dieses Vertrauen, das uns von Anfang an entgegengebracht wird, verpflichtet. Und wenn wir dann gemeinsam Fortschritte sehen – weniger Schmerzen, mehr Mobilität, ein Stück Lebensqualität zurück – dann ist das jede Mühe wert.."

Wann und wie kamen Sie erstmals mit URGO-Produkten in Kontakt?

Hauke Cornelsen: Das war über Fortbildungen und Kongresse. Die ersten Kontakte entstanden durch Vorträge und Schulungen, bei denen ich eingeladen war. Die Produkte haben mich damals schnell überzeugt, nicht nur durch ihre Qualität, sondern auch durch die Haltung des Unternehmens. URGO hört zu, fragt nach, interessiert sich für Feedback aus der Praxis. Das ist nicht immer selbstverständlich. URGO ist da anders: Der Dialog ist ehrlich, offen und auf Augenhöhe. Und ich finde es gut, wenn ein Unternehmen nicht nur verkaufen, sondern auch verstehen will, wie Produkte im Alltag wirken.

Welche URGO-Produkte setzen Sie besonders häufig ein?

Hauke Cornelsen: Unser Favorit ist definitiv der UrgoSuperSuperabsorber, denn kein anderer nimmt so viel Exsudat auf. Gerade bei stark exsudierenden Wunden brauchen wir Materialien, auf die wir uns verlassen können. Auch UrgoClean begleitet uns täglich in der Therapie, es hilft bei der Reinigung von außen, besonders bei biofilmbelasteten Wunden. In Kombination mit unserer „inneren“ Reinigung durch Lymphdrainage ist das eine sehr effektive Strategie. UrgoTül verwenden wir insbesondere bei sensibler Haut und wenn ein atraumatischer, schmerzarmer Verbandwechsel gefragt ist. Auch UrgoK1 und UrgoK2 kommen bei uns regelmäßig zum Einsatz – vor allem dann, wenn eine praktische, alltagstaugliche und dennoch effektive Kompressionslösung benötigt wird.

Was hat sich aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren in der Wundversorgung verändert?

Hauke Cornelsen: Es hat sich vieles verbessert, vor allem bei den Produkten und bei der Sensibilisierung für komplexe Heilungsprozesse. Heute haben wir eine größere Auswahl an Materialien, eine stärkere Evidenzlage und mehr Möglichkeiten zur Diagnostik, zum Beispiel durch Hilfsmittel wie Fluoreszenzkameras. Was allerdings nach wie vor schwierig ist, ist die Kommunikation zwischen den Berufsgruppen. Es fehlt oft an echtem Austausch. Pflege, Ärzt:innen und Therapeut:innen arbeiten nebeneinander, aber selten wirklich miteinander. Dabei könnten wir uns viel besser ergänzen, denn letztendlich profitieren doch alle, wenn wir gemeinsam für die Patient:innen da sind.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Wundversorgung?

Hauke Cornelsen: Ich wünsche mir zum einen eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit, eine echte Teamarbeit zwischen allen an der Wundversorgung Beteiligten, bei der das Wohl der Patient:innen im Mittelpunkt steht. Vertrauen, Austausch, Transparenz – das würde uns allen helfen. Und zum anderen wünsche ich mir weiterhin Innovationen, die aus dem Praxisalltag heraus gedacht sind und die Versorgung erleichtern. 

Was möchten Sie URGO mit auf den Weg geben?

Hauke Cornelsen: Ein großes Dankeschön – für die Verlässlichkeit, die Offenheit, die gelebte Nähe zur Praxis. Für das ehrliche Interesse am Feedback von Therapeut:innen, für den kontinuierlichen fachlichen Austausch, hochwertige Schulungen und die Möglichkeit, aktiv an der Weiterentwicklung der Wundversorgung mitzuwirken. Ich habe nur wenige Unternehmen erlebt, die so konsequent partnerschaftlich denken und handeln. Ich wünsche URGO, dass dieser Geist auch in den nächsten 25 Jahren erhalten bleibt und dass Innovationen weiterhin dort entstehen, wo sie gebraucht werden: im echten Versorgungsalltag. Denn genau darin liegt die Chance, die Wundversorgung praxisnah und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.

Zum Interview von Marianne Hintner

Marianne Hintner blickt auf Jahrzehnte in der Wundversorgung zurück von den ersten Hydrokolloidverbänden bis zu modernen Lösungen wie UrgoTül. Zum 25-jährigen Jubiläum von URGO reflektiert sie, wie sich Produkte, praxisnahe Forschung und innovative Ansätze über die Jahre weiterentwickelt haben und welchen Einfluss solche Fortschritte auf ihre tägliche Arbeit haben.