Gemeinsam für eine bessere Gesundheitsversorgung

Seit Anfang Januar ergänzt Enes-Batuhan Baskal als Director of Governmental Affairs and Market Access das URGO-Führungsteam. Im Interview erläutert der Experte für Gesundheitspolitik, wie sich URGO dafür einsetzt, die Versorgung von Menschen mit Wunden, insbesondere chronischer und komplexer Wunden, zu verbessern und die Arbeit der Gesundheitsfachkräfte zu erleichtern.

 

Was verbirgt sich hinter den Begriffen Governmental Affairs und Market Access?

Governmental Affairs und Market Access sind zwei Schlüsselbereiche, die sich einerseits mit der Interaktion unseres Unternehmens mit Regierungsbehörden und politischen Entscheidungsträgern und andererseits mit dem regulatorischen Umfeld befassen. Zu meinen Aufgaben gehört es, gesundheitspolitische Entwicklungen und Gesetzgebungsprozesse zu verfolgen und zu analysieren, um potenzielle Auswirkungen auf unsere Produkte und unser Unternehmen zu bewerten.

Im Bereich Governmental Affairs liegt der Fokus darauf, tragfähige Netzwerke mit Bundestagsabgeordneten, die sich insbesondere mit gesundheitspolitischen Themen beschäftigen, aber auch mit politischen Entscheidungsträgern auf Landesebene, aufzubauen und zu pflegen, um einen wirklichen Austausch zu ermöglichen. Als Spezialist für moderne Wundversorgung und Kompressionstherapie ist es URGO ein wichtiges Anliegen, von der Politik als verlässlicher und kompetenter Partner wahrgenommen zu werden, um gemeinsam mit allen relevanten Stakeholdern die Versorgung von Menschen mit chronischen und komplexen Wunden zu verbessern und die Arbeit der Gesundheitsfachkräfte zu unterstützen. Dies erfordert einen offenen Dialog und eine enge Zusammenarbeit von Politik und Herstellern, um die besten Lösungen zu finden.

Der Bereich Market Access konzentriert sich hauptsächlich auf die Auswirkungen gesetzlicher Regelungen. Dies umfasst die Sicherstellung der Erstattungsfähigkeit neuer Produkte über die gesetzlichen Krankenkassen sowie die Entwicklung geeigneter Strategien, um sicherzustellen, dass unsere Produkte für die Patientinnen und Patienten verfügbar sind. Insgesamt begleitet der Bereich Market Access den gesamten Lebenszyklus eines Produktes.

 

Worauf liegt aktuell der Schwerpunkt deiner Arbeit?

Im Moment liegt das Hauptaugenmerk darauf sicherzustellen, dass unsere evidenzbasierten Wundauflagen auch nach dem 2. Dezember 2024 vollständig erstattungsfähig bleiben. Parallel arbeiten wir intensiv daran, mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und der Politik eine Perspektive für Innovationen im Bereich der Medizinprodukte zu schaffen. Das Ziel ist, dass wir in Deutschland ein Verfahren implementieren, das sowohl praktikabel ist als auch die Anforderungen erfüllt, um die Evidenz für neue Produkte nachzuweisen. Es dreht sich also darum, akute Gesetzesänderungen anzustoßen und gleichzeitig langfristig zu planen, wie innovative Produkte erfolgreich in den Erstattungsbereich integriert werden können.

 

Was treibt dich an?

Was mich antreibt, ist die feste Überzeugung, dass wir in der Gesundheitsversorgung einen wirklichen Unterschied für die Patientinnen und Patienten bewirken können. Es geht nicht allein darum, hochwertige Produkte zu verkaufen, sondern vielmehr darum, Lösungen zu entwickeln, die das Leben der Menschen verbessern. Die Möglichkeit, Teil dieses Prozesses zu sein, ist es, was mich jeden Tag motiviert und inspiriert.

 

Worin siehst du Herausforderungen?

Eine Herausforderung liegt darin, mit den Krankenkassen intensiver ins Gespräch zu kommen, um sie davon zu überzeugen, die gesundheitsökonomischen Aspekte ganzheitlich zu berücksichtigen. Dies beinhaltet eine Verschiebung weg von der reinen Betrachtung des Preises bei Verordnungen hin zur Berücksichtigung des Verhältnisses von Preis und Nutzen. Momentan liegt der Fokus der Krankenkassen zu sehr auf den Kosten, was zu Regressmaßnahmen führen kann, ohne dabei den Nutzen der Produkte in Betracht zu ziehen. Unser Ziel ist es, den Ärzte:innen einerseits die Angst vor Regressen nehmen zu können und gleichzeitig Maßnahmen zu fördern, die einen nachweisbaren Nutzen für die Patientinnen und Patienten bringen.

 

Welchen Beitrag kann in diesem Kontext die Digitalisierung leisten?

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der Versorgungsdefizite, insbesondere in ländlichen Regionen, kann die Digitalisierung entscheidend zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung beitragen. Eine verstärkte Nutzung telemedizinischer Angebote ermöglicht eine qualitativ hochwertige Versorgung auch in unterversorgten Gebieten. Zudem kann die Digitalisierung helfen, bestehende Defizite im Entlassmanagement zu überwinden und alle Beteiligten besser einzubeziehen, z. B. beim Übergang von der stationären Behandlung zurück in die häusliche Umgebung oder in die weiterführende Versorgung. Dies kann insbesondere für ältere Menschen ohne ausreichende familiäre Unterstützung entscheidend sein. Hier kann die Digitalisierung dazu beitragen, die Vernetzung zu verbessern und die Nachversorgung zu erleichtern.

URGO engagiert sich bereits seit längerem aktiv für die Entwicklung digitaler Versorgungsmodelle. Mit HEALICO gehen wir mit gutem Beispiel voran, indem wir die Wunddokumentation vereinfachen und Pflegekräfte dadurch mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit gewinnen. Darüber hinaus fördern wir mit HEALICO eine effektive Vernetzung und den Austausch von Wissen, um eine optimale Versorgung zu ermöglichen.

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